Kein Perfektionismus, kein Extremismus – die goldene Mitte finden

Kennst du das auch? Du bist dabei, eine Sache zu erledigen und hast den Großteil schon geschafft. Nur an den Feinheiten hältst du dich nun seit einiger Zeit fest und findest immer wieder Kleinigkeiten, die du unbedingt noch verbessern willst, damit alles so perfekt wie möglich wird. Du verbesserst und verbesserst. Kaum hast du ein Detail optimiert, springt dir das nächste ins Auge. Irgendwann – Stunden später – hast du es endlich geschafft. Obwohl, da wäre noch eine Winzigkeit. Aber du bist so fix und fertig, dass du aufhören musst.

Du hast alles gegeben, mehr als 100+X Prozent, nur damit das Ergebnis perfekt ist. Und, soll ich dir was sagen, es gibt wirklich Dinge, die so perfekt wie möglich sein müssen. Die allermeisten aber nicht. Am Ende bemerkt nicht mal jemand, dass du dir so viel Mühe gegeben hast.

Gut und sehr gut sind okay. Meistens reicht schon gut. Perfekt sollte die Ausnahme sein.

Du willst doch nicht wertvolle Lebenszeit damit verbringen, für winzige Kleinigkeiten den Großteil deiner Anstrengungen zu investieren, wenn es ebenso ein gutes oder sehr gutes Ergebnis getan hätte. In der gesparten Arbeitszeit kannst du schon wieder dein Leben genießen.

 

Orientiere dich am Pareto-Prinzip

Es gibt da das Pareto-Prinzip, benannt nach Vilfredo Pareto, an dem du dich orientieren kannst. Das Pareto-Prinzip besagt, dass du 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Aufwandes erreichst. Die restlichen 20 % vom Ergebnis fordern dann 80 % des Aufwandes. Deswegen nennt man dieses Prinzip auch die 80/20-Regel. Für das Wort “Aufwand” kannst du auch “Zeit” einsetzen. Bildlich kann man sich das etwa so verdeutlichen:

 

Goldene Mitte - Das Pareto-Prinzip

 

Das Pareto-Prinzip begegnet uns in vielen verschiedenen Lebensbereichen. Es ist ein sehr allgemein gültiges Prinzip, das auf alles Mögliche Anwendung findet. Zum Beispiel hier:

80 % der Stadtbewohner eines Landes leben in 20 % der Städte
80 % des Umsatzes generiert ein Unternehmen mit 20 % der Kunden
20 % der Kunden sind für 80 % der Reklamationen verantwortlich
20 % der Bevölkerung besitzen 80 % des Vermögens
80 % der Verkehrsunfälle werden durch 20 % der Fahrer verursacht

Mit dem Blick auf das Pareto-Prinzip kannst du dein Zeitmanagement besser händeln und deine Aufwand-Nutzen-Bilanz optimieren.

 

Achtung Falle!

Auch beim Pareto-Prinzip gilt: bleib locker, halte dich nicht sklavisch an die 80/20-Regel. Orientiere dich daran, aber nimm sie nicht wörtlich. Denn es ist doch so: in 80 % der Fälle solltest du das Pareto-Prinzip anwenden und in 20 % der Fälle nicht.  

 

Kein Extremismus

Wenn ich von Extremismus spreche, meine ich nicht deine politische Grundhaltung. Ich meine damit natürlich deine Lebensweise. 

Kann eine Lebensweise, die auf irgendeine Art als extrem zu bezeichnen wäre, glücklich machen? Für den Moment ganz sicher. Aber auf Dauer ganz sicher nicht. Und willst du nur für einen kurzen Moment glücklich sein und den Rest deines Lebens die Zeche dafür zahlen? Oder willst du dauerhaft glücklich leben, jedoch vielleicht ohne den ganz besonderen Kick?

Das ist aus der Ferne betrachtet eine einfache Entscheidung. Natürlich wollen die meisten von uns dauerhaft glücklich leben und nicht für einen kurzen Glücksmoment ein Leben lang die Zeche zahlen. Im Einzelfall kommt es aber auf dich als Person an, was du willst. 

Brauchst du den besonderen Kick?

Es gibt Menschen, die brauchen den besonderen Kick. Denen ist egal, ob sie morgen dafür zahlen müssen. Es zählt für sie nur der Moment. Sie finden ihr Leben ohne diese Kicks fade wie eine ungesalzene Suppe. Ich denke da nur an die Extremsportler oder an die Leute, die auf Hochhäusern herumturnen und für ein paar Likes ihr Leben riskieren.

Die meisten von uns würden nicht von sich behaupten, irgendwie auf der Extremschiene zu fahren. Und doch lauert auch im Alltag die Gefahr, Dinge mit einer Intensität zu betreiben, die man als extrem bezeichnen kann. Du brauchst nur mit deiner Figur nicht zufrieden zu sein, schon können alle Maßnahmen, die du ergreifst, ein extremes Ausmaß annehmen.

 

Gefahren im Alltag

Zum Beispiel: Es geht damit los, dass du ein Frustesser, ein Langeweile-Esser oder ein Liebesersatz-Esser bist. Tritt eine dieser Situationen auf, schaufelst du ohne Kontrolle jede Menge Nahrung in dich rein. Das macht sich mit der Zeit natürlich auf der Waage bemerkbar. Du steuerst gegen, indem du dich im Fitnessstudio anmeldest und wie ein Tier trainierst. So nach dem Motto, wenn ich viel trainiere, nehme ich viel ab. Oder du machst eine Null-Diät und kannst damit nicht mehr aufhören. Du bist nach einer Weile schon so abgemagert, dass du wie ein Skelett herum läufst. Oder du verwendest ständig Abführmittel, damit das Essen nicht mehr ansetzt. Ich könnte hier noch einige Beispiele aufführen. Allesamt würde ich in die Extrem-Ecke stecken.

Denn all diese Beispiele können zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Ein bisschen Über- oder Untergewicht ist nicht so schlimm. Niemand ist perfekt. Aber hungern, Abführmittel und zu viel Sport sind der falsche Weg.

Mit Mäßigung tust du dir auch in anderen Bereichen Gutes. Du willst dich in deiner Freizeit erholen und Spaß haben? Dann stopfe sie nicht dauerhaft mit zu vielen Aktivitäten voll. Das erzeugt nur ungewollten Termindruck. Deine Freizeit soll doch deiner Erholung dienen. Und sich einfach mal nichts vorzunehmen ist für manche Menschen eine ganz neue Erfahrung. In unserer heutigen Zeit mit ihren unzähligen Möglichkeiten, machen sich manche von uns den Druck, nichts verpassen zu wollen, bei allem mitreden zu können, mit den anderen ja mithalten zu müssen. Und was ist das Resultat? Irgendwann ist man so ausgelaugt, dass nichts mehr richtig Spaß macht. 

Es kommt auf die richtige Mischung von Aktion und Ruhephase an, die dich fit und vital hält. In den Ruhephasen kannst du deinen Körper und deine Seele mit Energie aufladen. Bei deinen Aktivitäten hast du diese Energie dann zu 100 % zur Verfügung.

 

Die goldene Mitte finden

„Als Buddha zu seiner spirituellen Suche aufbrach, führte er ein Leben voller Entbehrungen und strenger Askese. Eines Tages gingen zwei Musikanten an dem Baum vorüber, unter dem er meditierend saß. Einer sagte zum anderen: „Spann die Saiten deiner Sitar nicht zu fest, oder sie werden reißen. Und lass sie nicht zu locker hängen, denn dann kannst du darauf keine Musik machen. Halte dich an den mittleren Weg.“

Diese Worte trafen den Buddha mit solcher Wucht, dass sie seinen Weg der Spiritualität grundlegend veränderten. Er war überzeugt, dass die Worte für sein Ohr bestimmt waren. Von dieser Minute an gab er alle strengen Grundsätze auf und begann einem Weg zu folgen, der leicht und hell war, den Weg der Mäßigung. Und tatsächlich wird sein Zugang zur Erleuchtung der Mittlere Pfad genannt.“

Anthony de Mello, Gefunden bei: Yogaakademie Austria

Der mittlere Pfad bezieht sich auf den Zwischenraum zwischen zwei Extremen. Er bezieht sich auf deinen ganz eigenen persönlichen Zwischenraum davon. Es gibt hier keine “Standardmitte”, denn jeder Mensch ist anders, braucht andere Sachen und lebt unter ganz eigenen Bedingungen. Deshalb ist diese Mitte auch sehr subjektiv und sogar situationsabhängig.

 

Die Mesotes-Lehre

Aristoteles hat diese Mitte in seiner Mesotes-Lehre definiert als die Stellung einer Tugend zwischen zwei entgegen gesetzten Lastern, dem Mangel und dem Übermaß. Seine Lehre besagt, dass richtiges Handeln immer in der Mitte von zwei Extremen stattfindet und dass nur derjenige glücklich werden kann, der im Sinne dieser Mitte handelt. 

Hier siehst du einige Beispiele zur Verdeutlichung:

MangelMitteÜbermaß
GeizFreigiebigkeitVerschwendung
IgnoranzToleranzIntoleranz
StarreBewegungsfreudigkeitHyperaktivität
generelles Misstrauengesunde SkepsisGutgläubigkeit
GefühllosigkeitBesonnenheitZügellosigkeit

Angewendet auf unser Leben bedeutet das Handeln in der Mitte also eine maßvolle Lebensweise. Deine Ernährung sollte abwechslungsreich und ausgewogen sein. Leistungsphasen wechseln sich mit Ruhephasen ab. Du bist weder zu geizig noch zu verschwenderisch und so weiter.

Das gilt genauso für dein tägliches Stresslevel. Im Durchschnitt sollte es im mittleren Bereich liegen, einem Bereich, wo der erlebte Stress durch entsprechende Erholungsphasen wieder ausgeglichen werden kann. Sollte der Stresspegel jedoch dauerhaft über dieses Maß ansteigen, ohne dass du dich davon genug erholen kannst, kann diese Lebensweise in einem Burn-Out enden. Dein Körper wurde so sehr beansprucht und ausgelaugt, dass ihn eine normale Ruhephase nicht wieder zur gewohnten Leistungsfähigkeit zurückbringen kann. 

Es gibt hier auch den umgekehrten Fall. Das zeigt sich zum Beispiel in der Arbeitswelt, wenn ein Arbeitnehmer keine adäquaten Aufgaben übertragen bekommt. Er hat entweder nur sehr wenig zu tun und langweilt sich die meiste Zeit oder soll nur sinnlose Tätigkeiten ausführen, deren Nutzen nicht zu erkennen ist. Diese Situation laugt den Körper und den Geist genauso aus wie dauerhafter Stress. Das entsprechende Krankheitsbild hierzu nennt sich Bore-Out-Syndrom.

 

Das Balance-Modell

Das Balance-Modell in nachfolgender Grafik verdeutlicht unsere Leistungsfähigkeit. Nach einer anstrengenden Tätigkeit fällt sie ab, um nach einer Erholungsphase wieder anzusteigen. Je nachdem, wie anstrengend die Tätigkeit war, desto länger muss die Erholungsphase ausfallen, damit die vorherige Leistungsfähigkeit wieder erreicht wird. 

Darüber und darunter befindet sich die sogenannte Signalzone. Diese bezeichnet die Grenze der gesunden Leistungsfähigkeit. Wenn jetzt diese Signalzone über- oder unterschritten wird, zum Beispiel durch dauerhaft zuviel oder zuwenig Stress, kommt es zu einer Überforderung (Burn-Out-Syndrom) oder Unterforderung (Bore-Out-Syndrom). 

Als Mitte kann man also den Bereich nennen, welcher zwischen diesen beiden Signalzonen liegt, die Komfortzone. Dieser Bereich ist bei jedem Menschen unterschiedlich groß. Der Eine steckt Belastungen besser weg als der Andere. Das ist also wiedermal eine ganz individuelle Geschichte.

 

Goldene Mitte - Das Balance-Modell

 

Das Leben ist eine stetige Veränderung. Nichts bleibt so wie es gerade ist. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Das ist ganz normal. Ein gesundes und glückliches Leben findet, wie in der Grafik dargestellt, in unserer Komfortzone zwischen geben und nehmen, Leistung und Ruhe statt. Dann kann es als ausgewogen bezeichnet werden. Du befindest dich jetzt auf dem mittleren Weg und hast deine goldene Mitte gefunden.

 

 

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